Das Maibaumwerfen

comp_comp_cimg1692- ein noch lebendiger Brauch

Jetzt sieht man sie wieder in vielen Orten, die zwischen zwölf und fünfzehn Meter hohen Maibäume, geschmückt mit Girlanden, bunten Bändern und einer kleinen Birke. Die Bänder symbolisieren die Farbenpracht des Frühlings, der frische grünende Baum steht für sich erneuernde Kraft und Fruchtbarkeit.

Der Maibaum wird meist am Vorabend des Ersten Mai, noch vor dem Hexenbrennen aufgestellt und muß dann bis zum Maibaumwerfen Nacht für Nacht bewacht werden, damit niemand aus dem Nachbardorf ihn absägt. Wenn das passiert, wird das Dorf sieben Jahre lang keinen Maibaum mehr stellen dürfen, es sei denn bis zum Sonnenaufgang steht ein neuer an gleicher Stelle oder es gelingt, einen Wipfel aus dem Nachbarort zu stehlen. Die Organisation und Durchführung des Festes liegt zumeist in den Händen der Jugend. An einem Wochenende im Mai, oft ist es ein Sonntag, wird der Maibaum zu Fall gebracht. Vorher findet der traditionelle Tanz um den Maibaum statt. Unter den Augen der Zuschauer graben dann einige junge Männer des Dorfes den Maibaum aus – wer von ihnen als erstes den Wipfel bricht, wird Maikönig und kann sich seine Maikönigin auswählen. Von den umstehenden Männern werden einige zum Graben herangezogen, wer nicht graben will, gibt Geld. Das wird beim anschließenden Maitanz vertrunken. Dort werden ähnliche Bräuche gepflegt wie bei einer Hochzeit, beispielsweise kann es passieren, daß die Maikönigin gestohlen wird und der Maikönig diese auslösen muß.

Inzwischen ist der sorbische Brauch in großen Teilen der Oberlausitz aufgegeben worden. In einigen Orten wird der Baum zwar noch aufgestellt, aber nicht geworfen. Der vollständige Maibaumbrauch findet überwiegend in den Dörfern um Kamenz und Bautzen statt.

Ein Ort im Landkreis Bautzen hat es geschafft seit 1946 jedes Jahr das Maibaumwerfen durchzuführen. Mittlerweile 54 Jahre ist der Brauch in Luga (Gemeinde Neschwitz) wieder fester Bestandteil des Dorfgeschehens. Organisiert wird das Fest vom Club Wittinghof e.V., welcher aus dem ehemaligen Jugendklub hervorgegangen ist – die Mitglieder sind geblieben, nicht mehr ganz so jung, doch nach wie vor noch engagiert. Die Jugend des Dorfes wird einbezogen in Vorbereitung und Durchführung, die Traditionen werden weitergegeben. Deshalb ist der Club Wittinghof auch “Träger der freien Jugendhilfe”.

Es ist nicht ganz einfach, die Bewohner des Dorfes und die der umliegenden Ortschaften jedes Jahr aufs Neue für das Maibaumwerfen zu begeistern. Die Besucherzahlen nehmen immer mehr ab. Mit umfangreicher Werbung und ständig neuen Ideen für die Ausgestaltung versucht man, Gäste zu locken. Ein kritischer Blick in den Himmel bleibt nicht aus an diesem Tag, denn auch vom Wetter hängt der Erfolg des Festes ab. In Luga wird der Baum am Tag des Hexenbrennens gestellt, Freibier gibt es für jeden freiwilligen Helfer, von denen eine Menge gebraucht werden, das Aufrichten des Baumes ist schwere Arbeit. Die Nachtwache wird sehr ernst genommen, es vergeht kein Jahr, wo nicht jemand aus den Nachbardörfern mit einer Säge vorbeikommt.
Besonders gern denkt man an das 50jährige Jubiläum von 1995 zurück, ein sehr gelungenes Fest, bei welchem alle Maikönige mir ihren Maiköniginnen eingeladen wurden. In jenem Jahr hatte der Lugaer Maibaum auch seine Fernsehpremiere. Die MDR-Sendung „Mach Dich ran“ hatte die Aufgabe zu erfüllen, dem Ort einen 19,95 m hohen Maibaum zu besorgen, was auch gelang.
Wer in diesem Jahr Lust hat, diesem alten Brauch beizuwohnen, ist am 2. Mai 2008 herzlich nach Luga eingeladen!

Text: Katharina Gräbner


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